PM & Bericht: »Rummel auf der Bucht«

Wir haben das Seefest veranstaltet, weil wir zeigen wollten, wie schön es in der Bucht sein könnte. Mit dem »Rummel auf der Bucht« haben wir einen fiktiven, spekulativen Ort geschaffen: einen freien Hafen für Kunst und Kultur. Erst mal nur für einen Tag, aber an diesem Tag hat glücklicherweise das Hafensommerfest stattgefunden. Es gab Bastelworkshops und Kinderyoga, Tanzperformances, ein politisches Panel mit Abgeordnetenhaus-Direktkanidaten aus der Nachbarschaft, Pizza, Kuchen, Prosecco, Musik und ganz viel Sonne.

Die Kunst- und Kulturflöße arbeiten schon lange darauf hin, dass dieser Ort Wirklichkeit wird. Deshalb ist dieser Tag auch die Forderung, dass endlich das vor Jahren beschlossene Entwicklungskonzept Rummelsburger See in Stralau umgesetzt wird. So wird auch für die Anwohner*innen ein schöner Ort geschaffen, mit freien Sichtachsen auf’s Wasser und Räumen für Nachbarschaft und Jugendprojekte.

Der Probleme auf dem Rummelsburger See sind wir uns bewusst. Doch die letzten Jahre haben gezeigt, dass immer neue Verbotsparagraphen nicht helfen, sondern im Gegenteil dazu führen, dass die Akteur*innen, die sich an die Regeln halten nur zurückziehen, während andere drauf scheißen. Wir sind überzeugt, dass es stattdessen viel konstruktiver wäre, einerseits genehmigte und geregelte Strukturen (Kulturhafen, Liegestellen, Müllstationen, etc.) zu schaffen, und andererseits mit der bestehenden und durchsetzungsstarken Handhabe aus Binnenschifffahrtsstraßenordnung §1.08 und Polizeigesetz §37a gegen jene Boote, die eine Gefahr für Umwelt und Sicherheit darstellen, vorzugehen.

All unseren Elan, unsere Kreativität und unseren Einsatz werden wir dafür geben, dass der »Rummel auf der Bucht« kein einzelner Tag bleibt. Wir wollen, dass die Bucht jeden Tag ein bisschen schöner wird. Wir hoffen auf Unterstützung der Anwohner*innen und der Politik, doch der Samstag hat gezeigt, dass wir auch alleine schon viel auf die Beine stellen können.

Pressemitteilung: Geplante Änderung des BMVI soll Freizeitschifffahrt in Berlin und Brandenburg drastisch einschränken.

Zukünftig soll das unbemannte Stillliegen von Sport- und Freizeitbooten (“Kleinfahrzeugen”) auf den Berliner und Brandenburger Gewässern grundsätzlich verboten sein. Das wäre so, als würde man landesweit eine Parkverbotszone für PKW außerhalb von Parkhäusern einrichten. Verkehrsminister Andreas Scheuer widerspricht damit seinem eigenen, gerade erst vorgestellten “Masterplan Freizeitschifffahrt”.  Die Spree:publik, der Zusammenschluss der Kunst- und Kulturboote und der unkommerziellen Freizeitschifffahrt Berlins, fordert: “Wasser ist für alle da!” Die Wasserstraßen der Region Berlin Brandenburg erfreuen sich bei Wassersportler:innen großer Beliebtheit. Jedes Jahr tragen mehr als 100.000 Bootstouristen und zahlreiche Bootseigner*innen zu wirtschaftlichen Umsätzen im dreistelligen Millionenbereich bei. In Berlin sind weit über 100 Wassersportvereine im Breiten- und Wettkampfsport aktiv. Seit Jahren ist in der Stadt zudem eine reichhaltige Kunst- und Kulturfloßszene etabliert, die sich in der Spree:publik zusammengeschlossen hat und deren Boote bereits Teil der DOKUMENTA waren, mit dem Goethe Institut nach Amsterdam fuhren und Theater in abgelegene Dörfer Brandenburgs brachten. Dies alles wird bald Geschichte sein, wenn es nach dem Willen des Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Innensenator Andreas Geisel geht!

Durch eine geplante Änderung der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung, die aktuell im Rechtsetzungsverfahren ist, wäre diese vielseitige und freie Nutzung der Wasserflächen in Berlin und Brandenburg bedroht. Konkret sollen § 21.24 Absatz 6 und §22.24 Absatz 6 der BinSchStrO durch Streichung der jeweiligen Sätze 2 und 3 so geändert werden, dass das unbemannte Stillliegen auf der Spree-Oder-Wasserstraße, der unteren Havel, dem Havelkanal, der Havel-Oder-Wasserstraße, der Müggelspree, der Dahme und den Rüdersdorfer Gewässern nur noch an sehr wenigen, genehmigten Liegestellen erlaubt ist. Bisher ist es hingegen möglich, ein Boot (“Kleinfahrzeug”) für bis zu einen Tag unbewacht zu ankern oder am Ufer auch außerhalb von festen Liegestellen festzumachen. Diese Möglichkeit wird vielfach von zahlreichen Wassersportler*innen sowie im Wassertourismus genutzt. Gleichzeitig gewährleistet sie eine demokratische, kulturelle und umweltpädagogische Nutzung der Wasserflächen durch eine Vielzahl von Akteuren. Im Regattasport ist es außerdem üblich am Vortag von Wettkämpfen die teilnehmenden Boote an der Rennstrecke zu ankern. “Doch wer sein Boot verlässt, bewegt sich künftig in der Illegalität.” sagt Claudius Schulze, Sprecher der Spree:publik.

Es gibt bundesweit außer auf den Berliner und Brandenburger Gewässern nur auf der Saar und dem Main-Donau-Kanal ähnliche Einschränkungen für das Stillliegen. Warum ausgerechnet die Wassertourismusregion Berlin-Brandenburg nun dazugehören soll, ist unverständlich. Schon jetzt gibt es nicht genügend öffentliche Liegestellen, um zum Beispiel in den Sommermonaten den Bootstouristen ausreichend Anlaufstellen zu bieten. Hafenplätze sind knapp und teuer und dem Ausbau stehen langwierige Genehmigungsprozesse und fehlende finanzielle Unterstützung entgegen. Auch der von Minister Scheuer kürzlich vorgestellte “Masterplan Freizeitschifffahrt” beschreibt die weitreichenden Defizite bei Anlege- und Liegestellen (Masterplan Freizeitschifffahrt, 2021, S. 24f). 

Das Bundesverkehrsministerium begründet das Verbot mit dem Verweis auf ein Vollzugsproblem der Wasserschutzpolizei. Dabei wurde die Polizei in Berlin gerade erst mit neuen Booten und rechtlichen Kompetenzen ausgestattet: Der neue Paragraf 37a des Berliner Polizeigesetzes und der alte § 1.08 BinSchStrO bieten ausreichend Handhabe, um Boote, deren Eigner*innen sich nicht an die Sicherheitsbestimmungen auf Wasserstraßen halten, abzuschleppen – eine Möglichkeit von der die Wasserschutzpolizei bislang jedoch nicht Gebrauch machte. “Regattasport, Wassertourismus und Kulturboote werden zu Kollateralschäden eines übereifrigen Law&Order-Populismus von Geisel und Scheuer gegen einzelne Boote und Bootseigner*innen, die wenig verkehrssichere Boote auf Wasserstraßen zurückließen oder dauerhaft unbewacht parkten. Doch anstelle diese Boote abzuschleppen, sollen nun alle Freizeitschiffer*innen bestraft werden!” sagt Claudius Schulze.

Dabei gäbe es gute Lösungen, um die Ordnung auf der innerstädtischen Spree zu sichern und gleichzeitig die Freiheiten der Wassernutzenden nicht über Gebühr einzuschränken. So könnten Boote, die im Stadtbereich ankern oder stillliegen wollen, eine Registriernummer oder Plakette erhalten. Die Stadt Berlin könnte, ähnlich wie Heidelberg (§ 10.10 Abs. 6 BinSchStrO), das Recht erhalten, Genehmigungen zum Stillliegen zu erteilen. Oder Verbände könnten entsprechende Liegeplätze einrichten und betreuen – in jedem Fall geknüpft an weitergehende Vorgaben zur guten Seemannschaft und Bootsführerschaft. Dass die geplanten Einschränkungen bzgl. des Stillliegens mit so weitreichenden Konsequenzen für Wasserwettkampfsport, Bootstourismus und Kulturboote mit der Schaffung ausreichender genehmigter Liegestellen einhergehen muss, ist jedenfalls unerlässlich.

Der Masterplan Freizeitschifffahrt sieht außerdem “eine frühzeitige und umfassende Beteiligung der Öffentlichkeit und Interessenvertretungen” vor (S. 47ff). Die Spree:publik fordert daher einen konstruktiven Dialog über die Zukunft der Berliner und Brandenburger Gewässer. Sprecher Claudius Schulze: “Nur im Austausch mit den Stakeholdern vor Ort können wirklich nachhaltige Lösungsansätze gefunden werden. Das Berliner Wassergesetz sagt: ‘Gewässer darf jeder zur Schiff- und Floßfahrt benutzen’ (§ 28 BWG). Das muss auch so bleiben. Denn was kommt sonst als nächstes? Werden die Kanus und Schlauchboote auf dem Landwehrkanal verboten?”

Über uns:

Die Spree:publik ist der Zusammenschluss der Berliner Kunst- und Kulturflößer*innen und der unkommerziellen Freizeitschifffahrt. Wir veranstalten Konzerte, betreiben schwimmende Ateliers, Kunst- und Integrationsprojekte, Kulturräume – und vieles mehr, was das Leben in einer bunten und weltoffenen Stadt auszeichnet. Spree:publik-Boote waren bereits Teil der DOKUMENTA, fuhren mit dem Goethe Institut nach Amsterdam und brachten Theater in abgelegene Dörfer Brandenburgs. Als Verband setzen wir uns für die partizipative Nutzung der Gewässer ein. Jedes Jahr holen wir zudem viele Tonnen Müll, Schrott und E-Scooter aus den Berliner Gewässern.

Buchtreinigung Vol. 2

Am Sonntag den 20.10.2019 konnten wir mal wieder so richtig die Müllsäcke füllen.

Mit über 30 Helfer*Innen haben wir innerhalb wenigen Stunden 10 m3 Müll aus dem Wasser und an beiden Ufern der Rummelsburger Bucht gesammelt. Durch die wunderbare Hilfe des NABUs, konnten wir mit Expert*Innen in die Schilf-Region gehen und auch dort ordentlich sauber machen ohne die Tiere in diesem empfindlichen Uferbereich zu stören. Straßenmüll und große Mengen Treibgut wurde in einem angemieteten Container entsorgt.

Hierfür möchten wir IKARUS Stadtteilzentrum herzlichst für die Finanzierung des Containers danken, ohne den die Aktion nicht möglich gewesen wäre. Auch ohne die Müllsäcke, Handschuhe und Müllzangen von Kehrenbürger.de der BSR könnten wir diese Aktionen nicht durchführen!

Zudem Danken wir allen helfenden Held*Innen für eure Muskelkraft und die gute Stimmung beim Sammeln.
Wir freuen uns auf weitere Zusammenarbeit mit den Nachbar*Innen, dem IkARUS, dem NABU und weiteren Wasser-interessierten. 

MÜLL AHOI
eure SPREE:PUBLIK

Aufruf: Herbstreinigung

Liebe Freunde der Rummelsburger Bucht,

in den letzten Wochen und Monaten ist es wüst zugegangen in der Bucht. Wasser, Ufer und Menschen haben gelitten. Wie schon in unserem Frühjahrsputz im April wollen wir Wasser und Ufer von den angeschwemmten Fremdkörpern befreien.
Gemeinsam mit Anwohnern und Bezirk laden wir, die Spree:publik, der Zusammenschluss der nichtkommerziellen Kulturflöße, Freizeit- und Hausboote Berlins, zum Ende der Saison daher zu einer gemeinsamen herbstlichen Reinigungsaktion der Rummelsburger Bucht ein.

Da die Brutaktivitäten der Wasservögel nun vorüber ist, können mit Unterstützung des NABU auch die Röhrichtbereiche gereinigt werden.

Wann: Sonntag 20.10 ab 14 Uhr

Treffpunkt: 22h Bootsanleger Nähe Charlotte-Salomon-Hain auf der Lichtenberger Seite, https://goo.gl/maps/8VuhB2botTvKmtCn6

Einige Zangen, Müllbeutel, Handschuhe und Kescher werden vorhanden sein – können zur Verstärkung jedoch gerne mitgebracht werden.

Kommt zahlreich und helft mit dafür zu sorgen, dass die Bucht noch mehr wird was sie schon ist: Ein kultureller Freiraum in Einklang mit der Natur!

Viele Grüße
Die Spree:publik

Für Rückfragen:
Email: kontakt@spreepublik.org

Spree:publik-Team gewinnt Drachenbootrennen beim Wasserfest auf der Rummelsburger Bucht

Am 24.08.2019 fand das Wasserfest veranstaltet vom IkARUS Stadtteilzentrum (http://www.sozdia.de) statt. Beim legendären Drachenbootrennen ging dieses Jahr zum ersten Mal auch die Spree:publik mit ins Rennen und holte auch für uns überraschend den ersten Platz. Zusammen mit dem Stand auf dem Wasserfest konnten wir so die Sichtbarkeit der Kulturflöße auf der Bucht erhöhen und mit anderen Initiativen und Nachbarn ins Gespräch kommen.

Anlegeverbote in der Rummelsburger Bucht

Im Februar 2019 wurde seitens des WSA Berlin auf Antrag der Bezirke Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg ein Festmachverbot für große Uferbereiche am Rummelsburger See erteilt.
Dieses Festmachverbot gilt im Wesentlichen auf der kompletten Lichtenberger Seite der Bucht, sowie auf der Friedrichshainer Seite von der westlichen Spitze der Bucht bis zum Palmkernölspeicher.

Pressemitteilung des BA Friedrichshain-Kreuzberg vom 10.07.2019

Ürsprünglich war auch ein Ankerverbot für den kompletten See beantragt worden. Dieses konnten wir jedoch mit juristischem Beistand konnten und Lobbyarbeit bei bei GDWS und dem WSA verhindern.

Wasserkonzert vor der Insel Kratzbruch

Samstag, 13.07.2019

Liebe Nachbarn der Rummelsburger Bucht,
die Spree:publik, der Zusammenschluss der nichtkommerziellen Kulturflöße und -Boote Berlins, lädt am 13.07.2019 zu einem Wasserkonzert vor den Toren der Rummelsburger Bucht ein. Interessierte können sich unter kontakt@spreepublik.org um eine der begrenzten Plätze auf den Flößen bewerben. Menschen mit eigenem Schwimmuntersatz sind in jedem Fall herzlich willkommen!

Viele Grüße
Die Spree:publik

Reinigungsaktion in der Rummelsburger Bucht

Liebe Nachbarn der Rummelsburger Bucht,
die Spree:publik, der Zusammenschluss der nichtkommerziellen Kulturflöße und -Boote Berlins, lädt am 07.04.2019 zu einer gemeinsamen Reinigungsaktion der Rummelsburger Bucht ein. Mit Unterstützung des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, wollen wir am Sonntag Nachmittag ab 13.30 Uhr gemeinsam die Ufer sowie das Wasser der Rummelsburger Bucht von Müll befreien. Treffpunkt ist der 22h Bootsanleger Nähe Charlotte-Salomon-Hain auf der Lichtenberger Seite. Dies ist auch eine gute Gelegenheit um sich näher kennen zu lernen und sich über die Zukunft der Rummelsburger Bucht auszutauschen. Wir freuen uns über eine rege Teilnahme aus der Nachbarschaft.

Viele Grüße
Die Spree:publik

Offener Brief an Politik und Verwaltung

Sehr geehrte Frau Bezirksstadträtin Herrmann,
sehr geehrter Herr Bezirksstadtrat Schmidt,
sehr geehrter Herr Butzke,
sehr geehrte Damen und Herren,

bezugnehmend auf das am 15. November 2018 vorgestellte überarbeitete Entwicklungskonzept Rummelsburger Bucht möchten wir hiermit eine Stellungnahme der Spree:publik​, der Interessensvertretung der nichtkommerziellen Sport- und Freizeitboote Berlins, abgeben.

Das vorgestellte Entwicklungskonzept für die Friedrichshain-Kreuzberger Seite der Rummelsburger Bucht, ist vornehmlich ein Umweltentwicklungskonzept. Aus Überzeugung achten die ​Spree:publik ​und ihre Mitglieder auf Schutz und Erhalt von Umwelt und Natur. Entsprechend unterstützen wir Naturschutz- und Naturerfahrungsräume in der Rummelsburger Bucht.
Leider berücksichtigt das Entwicklungskonzept aber weder umfassende Stadtentwicklungsaspekte noch die Entwicklung von Kultur- und Freiräumen. Wir stellen deshalb in Frage, dass in Anbetracht der aktuellen Entwicklung rund um die Rummelsburger Bucht und dem hohen Nutzungsdruck auf eine der letzten innerstädtischen Freiflächen, das Naturentwicklungskonzept in der jetzigen Form ausreichend ist. Wir fordern einen ganzheitlichen Ansatzes, der die verschiedenen Interessen, Bedürfnisse und damit auch Bezirksverwaltungen und Interessensvertreter (Bürgerinitiativen, Atelierbeauftragte, Kunst- und Gewerbetreibende, Naturschutzorganisationen, Kulturinitiativen etc.) mit einbezieht.

Zum Beteiligungsverfahren:
Aus unserer Perspektive ist durch wenige, aber sehr laute Stellungnahmen von Anwohnern der Halbinsel Stralau während des seit 2017 laufenden Beteiligungsverfahrens massiv Stimmung gegen ankernde Boote, die an der Stralauer Spundwand etablierten Kulturflöße und Hausboote sowie die bunten Aktivitäten auf dem Wasser gemacht worden. Dabei werden einige Partikularinteressen von Anwohnern der Halbinsel Stralau gegen die vielfältigen Interessen der Bürger Berlins und der Nutzer der Wasserfläche als innerstädtisches Naherholungsgebiet, als Kulturraum und Ort des selbstbestimmten Lebens, ausgespielt. Die verschiedenen berechtigten Interessen stehen dabei jedoch nicht im Widerspruch zueinander und sind keinesfalls unvereinbar.

Zum einen fühlt sich ein Großteil der Bewohner Stralaus, der im Beteiligungsverfahren leider die schweigende Mehrheit ist, durch die ankernden und stillliegenden Boote und Kulturflöße nicht gestört bzw. sehen sie hierdurch die Naturerfahrbarkeit vor Ort nicht beeinträchtigt. Ein eindeutiges Indiz hierfür ist die sehr geringe Beteiligung an der Petition der IG Eigentümer Rummelsburger Bucht, die mit nicht einmal 200 Unterzeichnern das Quorum eindeutig nicht erreicht hat und sicher keine repräsentative Mehrheit für Stralau darstellt. Zum anderen ist ein Großteil der Wasseraktiven und Kulturinitiativen äußerst verantwortungsbewusst im Umgang mit Mensch und Natur. Naturschutz hat für uns oberste Priorität; wir haben ein genuines Interesse daran, die Artenvielfalt und den Naturraum zu bewahren, da auch wir hiervon profitieren. Den Booten wird etwa immer wieder vorgeworfen, angeblich Müll und Exkremente in das Wasser zu entsorgen. Die Ironie dabei ist, dass die städtische Kanalisation, also die Exkremente der regulären Landbewohner, bei Starkregen in die Berliner Kanäle und Gewässer überläuft, während die Spree:publik-Boote in der Rummelsburger Bucht Komposttoiletten und Fäkalientanks haben, deren Inhalt regelmäßig abgeholt wird. Fast alle Boote sind Energieautark und gewinnen ihren Strom über Solar- und Windkraftanlagen. Viele Boote sind mit Wasseraufbereitungsanlagen ausgestattet, filtern Schwermetalle und chemische Giftstoffe und tragen so tatsächlich zur Verbesserung der angespannten Wasserqualität der Bucht bei. Die Mitglieder der ​Spree:publik ​halten sich an die “10 goldenen Regeln für das Verhalten von Wassersportlern in der Natur”, wie sie in jeder Spoortbootführerscheinprüfung abgefragt werden.

Beispiele wie Amsterdam, London oder Kopenhagen zeigen, wie selbstbestimmtes Leben auf dem Wasser zur touristischen Marke beitragen kann. So hat auch Visit.Berlin, die Tourismus-Agentur der Stadt, Bootsbauten in der Bucht mitfinanziert. Aktuell wirbt die Stadt mit der “#Freiheit Berlin”-Kampagne unter anderem mit einem Motiv von Freigeistern auf der Spree.

Zum Glück steigt das Interesse der Berliner Bevölkerung für ihr Wasser ungebremst. Noch nie gab es so viele Initiativen, Vereine und Hausbootbesitzer, die auf und am Wasser aktiv sind. Auf “Panther Ray” und “Rockfish” finden Konzerte statt, die “Wackelberry” zeigt Kinofilme, auf der “Eroberung des Unwahrscheinlichen” werden unter anderem in Kooperation mit dem Goethe-Institut Workshops veranstaltet, das “Fotoboot” bietet Foto-Exkursionen, es wird an einer schwimmenden Gemeinschaftssauna gebaut und es gibt Theatervorstellungen, um nur wenige Beispiele zu nennen. Das Ganze ehrenamtlich – für den guten Zweck. Das hier viel Los ist, merkt auch die Politik: Frau Herrmann, Ihre eigene Partei beschäftigt sich wie Sie wissen spätestens seit letztem Jahr mit der Frage danach, wie selbstbestimmtes Leben in der Stadt gefördert werden kann. Dazu besuchte ihr Landesvorsitzender Werner Graf die Spree:publik. Was aktuell droht ist die Zerstörung von genau dem, für das sie einstehen: selbst bestimmtem Leben!

Ein Anker- und Stillliegeverbot aufgrund einiger weniger, unverantwortungsvoller Bootsbesitzer in der Bucht würde einer Kollektivbestrafung aller Bootsbesitzer gleichkommen, das nur schwierig mit Bundesrecht (Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung) vereinbar ist. Damit würde gleichzeitig einem gewachsenen Standort für Naturschutz- und Kulturprojekte die Existenzgrundlage entzogen. Dies kann weder im Interesse des Bezirkes, der Stadt Berlin, noch des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) sein.

Dass der Nutzungsdruck auf die Rummelsburger Bucht hoch ist, ist uns bewusst. Wir bitten Sie jedoch, in einen offenen Dialog mit uns zu treten, bevor Tatsachen geschaffen werden, die nicht dem Gemeininteresse dienen. Wir stehen Ihnen gerne beratend zur Seite um Lösungen und Visionen zu erarbeiten, die im Interesse aller sind und eine geregelte Nutzung der Rummelsburger Bucht ermöglichen.

Gerade in enger und dichter werdenden Städten wie Berlin sind die Gewässer als Freiraum für Kultur und Freizeitnutzung zentral und wichtig. Am Ende des Tages hoffentlich wichtiger, als die Sicht aus dem Fenster eines immobiliaren Spekulationsobjekts.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre ​Spree:publik