Wir wollen einen freien Hafen für Kunst & Kultur!

Die Nutzung der Berliner Gewässer war lange Zeit einem privilegierten Kreis von Akteur*innen vorbehalten. Vor rund zehn Jahren haben sich gleichgesinnte zusammengeschlossen um dies zu ändern. Denn: „Gewässer darf jeder zur Schiff- und Floßfahrt benutzen“ (§ 28 Berliner Wassergesetz).

Seit dem engagiert sich die Spree:publik für die partizipative Nutzung des Berliner Wassers. Auf historischen Kähnen, selbstgebauten Flößen, Arbeitsschiffen und Atelierbooten ist seitdem eine facetttenreiche, schwimmende Kunst- und Kulturszene entstanden. Spree:publik-Boote waren bereits Teil der DOKUMENTA, fuhren mit dem Goethe Institut nach Amsterdam und Paris, brachten Theater in abgelegene Dörfer Brandenburgs und Kino auf die Berliner Kanäle. Wir veranstalten Konzerte, betreiben schwimmende Werkstätten, Kunst- und Integrationsprojekte, Kulturräume – und vieles mehr, was das Leben in einer bunten und weltoffenen Stadt auszeichnet.

Mit der Gründung eines »freien Hafens für Kunst und Kultur« am Bartholomäusufer des Rummelsburger Sees wollen wir einen Ort am Wasser schaffen – für die Nachbarschaft und alle Berliner*innen, einen Ort des Austausches, niederschwelliger Kulturangebote und von Verweilgelegenheiten. Dabei geht es uns nicht nur darum, dass die Bestrebungen der Betreiber*innen der Kulturflöße nach einem festen Liegeplatz (…) politisch zu unterstützen [sind], da damit der Betrieb der nicht-kommerziellen Veranstaltungen gesichert werden kann und die Entwicklungen an den Booten bzw. Flößen geordneter ablaufen können. (Entwicklungskonzept für den Rummelsburger See, S. 72, BVV Beschluss DS/1251/V) Sondern wir wollen auch Neues schaffen: Der Hafen wird einzigartige Möglichkeits-, Bildungs-, Forschungs- und Werkräume für die Entwicklung zukunftsfähiger Modelle natur- und bürgernaher Stadtgestaltung schaffen. Die freie, unangepasste und kritische Subkulturszene prägt das Image Berlins als weltoffene Metropole und wirkt als Magnet für junge Menschen, die hier ihren Lebenstraum verwirklichen möchten. (Zitat: Kai Wegner, CDU Landesvorstand, MdB)

Die derzeitige Ufersituation finden wir ungenügend. Wir wollen die Sichtachsen von Schiffen freischaffen und die unzähligen Taue, Stricke und sonstigen Festmacherleinen gesammelt an der Uferspundwand befestigen. Unsere Vision ist die direkte Zugänglichkeit des Wassers für Anwohner und Passanten.

Wir wollen die physischen Barrieren des Spreeufers abbauen. Die Verwirklichung einer umfassenden Barrierefreiheit ist ein wichtiger Schritt zu einer inklusiven, diskriminierungsfreien und partizipativen Stadtgesellschaft (Zitat SPD Landeswahlprogram S.11) Dies setzt voraus, dass Wasserflächen auch als soziokulturelle Ressource wahrgenommen und als Freiraum für zivilgesellschaftliches und gemeinnütziges Engagement verstanden werden. Leider sind die letzten Kultur- und Freiräume auf und am Wasser genau wie an Land ständig von Investor*innen, Wutbürger*innen und Law&Order-Politiker*innen bedroht. Mit unserer Arbeit wollen wir bestehende Zugangsmöglichkeiten zum Wasser für alle bewahren und weitere, neue schaffen. Die Spree:publik ist dabei stets an konstruktiven Lösungen interessiert und bemüht sich um breite Partnerschaften.

Unsere Selbstverpflichtungen zu Lärm- und Umweltschutz gehen dabei über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. Denn Naturschutz und Nachhaltigkeitsprinzipien sind in unserer Arbeit fest verankert. Wir befreien die Berliner Gewässer regelmäßig von Müll und Unrat. Am Standort des Hafens verpflichten wir uns auf publikumsstarke und Lärm emittierende Veranstaltungen zu verzichten.

Wir wollen einen integrative Lernort für Kinder und Jugendliche schaffen. Derzeit gibt es auf Stralau keine Kinder-, Jugend- und Freizeiteinrichtungendas gibt der Planungsraum Stralau unumwunden zu. Das wollen wir ändern! Schon heute engagieren wir uns und in Partnerschaft mit Umweltschutzorganisationen (NABU, Clean River Project, etc.) und Bildungsträgern & KiTas in der Naturbildung. Dies wollen wir ausbauen, auch durch ein integratives Werkstattprojekt auf einem historischen Flusskahn zusammen mit »leben lernen gGmbH«. Bildung ist mehr als Schule! (Zitat: SPD Landeswahlprogramm 2021 S. 51)

Bisher gibt es keinen öffentlichen Ort, an dem sich die Vereine auf Stralau versammeln oder sich Anwohner*innen treffen können (BVV DS/1561/V) – eine Lücke, die wir schließen wollen. Der freie Hafen für Kunst & Kultur soll allen Menschen und besonders denen aus der Nachbarschaft offen stehen. Unsere Kähne werden auch anderen zur Verfügung stehen denn wir finden: Gerade [d]urch die Corona-Pandemie ist die Bedeutung des öffentlichen Raums und von nutzbaren Außenflächen für private, gewerbliche und öffentliche Nutzungen gewachsen. Wir wollen öffentliche Räume für gemeinwohlorientierte und nachbarschaftliche Zwecke zurückgewinnen. (Zitat: DIE LINKE Wahlprogramm 2021)

In den letzten Jahren haben unzählige nicht-kommerzielle Projekte aus Kunst, Kultur, Bildung, Wissenschaft und Politik ihre Draußen-Erlebnisse auf und an den Berliner Gewässern und auf Spree:publik-Flößen umgesetzt: Theaterstücke, Konzerte, Naturschutzinitiativen, Lesungen, Kunstinstallationen und vieles Mehr! Wir stehen für den Erhalt und die Schaffung von nicht kommerziellen Freiräumen für Kunst und Kultur. (Zitat: DIE LINKE Landeswahlprogramm)